Geloste Jülicher für ständigen Bürgerrat

24. September 2021 Uhr

Die Bildung eines ständigen Bürgerrates für Jülich gehört zu den Vorschlägen einer zufallsbasierten Losversammlung, die am 3. und 4. September 2021 in Jülich stattfand. „Unsere Ernährung nachhaltig gestalten, Verpackung vermeiden, die Artenvielfalt fördern. Wie können wir in Jülich zu einem nachhaltigen Lebensstil beitragen?“ So lautete die Fragestellung des ersten Bürgerrates der Stadt.

Jülich will sich zu einer modernen, nachhaltigen und zukunftsfähigen Stadt wandeln. Dazu gehören u. a. attraktive, naturnahe Grün- und Freiflächen, wo sich Jung und Alt gerne aufhalten, kurze Wege, die einfach zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen sind, hochwertige, regionale Lebensmittel in den Geschäften. Damit möchte die Stadt zum Strukturwandel und zum Klimaschutz beitragen.

Bürger entwickeln Vorschläge

Die Kommune möchte wissen, wie sie dabei bestmögliche Unterstützung bieten kann. Verschiedene Konzepte für Nachhaltigkeit, Mobilität und ein integriertes Handlungskonzept für die Innenstadt werden bereits erstellt. Nun haben Bürgerinnen und Bürger konkrete Hinweise und Wünsche entwickelt, wie ein nachhaltiges Leben in Jülich aussehen kann und was sie sich an Unterstützung wünschen.

Dafür hatte die Stadt 12 zufällig ausgewählte Einwohnerinnen und Einwohner zu einem Bürgerrat eingeladen, der mit seinen Vorschlägen und Beiträgen den Wandel der Stadt mitgestalten soll. Die Stadt Jülich arbeitet hierbei mit der Ruhr-Universität Bochum (Centrum für Umweltmanagement, Ressourcen und Energie/CURE) und der Koordinierungsstelle BioökonomieREVIER Rheinland des Forschungszentrums Jülich (FZJ) zusammen.

Diskussion in Bürger-Café

Die Ergebnisse des Jülicher Bürgerrats wurden am 16. September 2021 allen anderen interessierten Bürgerinnen und Bürgern, Fachleuten, Politikerinnen und Politikern in einem Bürger-Café vorgestellt und an Bürgermeister Axel Fuchs übergeben. Alle Interessierten waren eingeladen, die Ergebnisse gemeinsam zu diskutieren, ihre Meinung dazu zu bekunden und Verbesserungsvorschläge zu machen.

Der Bürgerrat hat u.a. vorgeschlagen, ein sicheres Radwegenetz aus breiten, ebenen, beleuchteten und durchgängigen Wegen zu schaffen. Gewünscht werden außerdem direkte Zugverbindungen nach Aachen, Köln und Düsseldorf sowie zum Forschungszentrum Jülich und zwischen Forschungszentrum und Brainenergy-Park. Die Dörfer sollen an ein zuverlässiges und kostengünstiges Netz des öffentlichen Nahverkehrs angeschlossen werden. Für den motorisierten Verkehr soll die Stadt ein Konzept zur Verkehrsreduktion in der Innenstadt bekommen, wo Tempo 30 gelten soll. Verkehrsmittel sollen geteilt werden, der Durchgangsverkehr über einen geschlossenen Umgehungsring geführt werden.

Grünes Jülich

Begrünte Dächer und grüne Vorgärten sollen nach den Vorschlägen des Bürgerrates fester Bestandteil der Stadt werden. Gewünscht werden günstiger Wohnraum und Sportangebote, Ruhezonen und saubere Toiletten. Markt- und Schlossplatz sollen umgebaut und belebt werden. Hochwasser-Abflussgebiete sollen unbebaut bleiben.

Um einladend und bürgerfreundlich zu sein, soll Jülich eine zentral gelegene Info- und Service-Stätte auch für Touristen bekommen. Die Stadtverwaltung soll umfassend digitalisiert werden, alle Bürgerinnen und Bürger ein zuverlässiges und schnelles Internet bekommen.

Klima- und Umweltschutz

Für ein klima- und umweltfreundliches Jülich sollen an Feldern Blühstreifen wachsen, die Grünflächen sollen insektenfreundlich gestaltet werden. Bürger sollen Baumscheiben bepflanzen und Beete pflegen können, Schottergärten sollen verboten werden.

Die zufällig gelosten Bürgerrat-Teilnehmenden wünschen sich Jülich plastikfrei. Die Stadt soll ein Pfand- und Rückgabesystem für Verpackungen aller Art bekommen. In Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten und der Industrie soll die Stadt Modellkommune für die Erzeugung von Produkten aus bioökonomischen Herstellungsmethoden werden. Ein Kaufhaus in der Stadtmitte soll Unverpacktes und regionale Produkte anbieten. Kindergarten-Kindern soll gesundes, umweltfreundliches und regional hergestelltes Essen angeboten werden. An einem für Schulen, Verwaltung, Handel, Industrie und alle Institutionen verpflichtenden Umwelttag soll jedes Mal ein neues Ziel festgeschrieben werden.

Neue Nutzung des Tagebaus

Bzgl. des nahen Tagesbaus wünscht der Bürgerrat sich eine Nachnutzung als See oder Naherholungsgebiet. Notwendig sei ebenfalls ein klares Konzept für das Hallenbad und die Nutzung der Solarenergie. Gewollt sind ebenso eine Energieberatung und Lebensmittelbusse auf den Dörfern.

Da die Bürgerrat-Teilnehmenden Gefallen an ihrem Demokratie-Instrument fanden, schlugen sie vor, einen ständigen Bürgerrat einzurichten. Solche Losversammlungen gibt es bereits in der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Ostbelgien und im Londoner Stadtbezirk Newham. Sie beruhren auf einer allgemeinen Regelung durch Gesetz oder Satzung. Bürgermeister Fuchs sprach sich gegen die Installierung eines ständigen Bürgerrates aus, schlug aber vor, in Zukunft weitere Bürgerräte auszulosen und nach ihrer Meinung zu befragen.

Mehr Informationen: Bürgerrat "Nachhaltiges Leben in Jülich"