Bürgerrat: Kinder reden beim Klima mit

24. Juni 2021 Uhr

Bürgerräte mit zufällig gelosten Erwachsenen gibt es viele. Erstmals konnten in einer solchen Losversammlung nun aber auch Kinder ihre Meinung einbringen. Beim Klima-Bürgerrat in Schottland waren die Ideen von Kindern ab 7 Jahren gefragt.

Möglich gemacht hat dies eine Kooperation mit dem mehr als 100 Mitglieder starken schottischen Kinderparlament. Zu den Empfehlungen der Kinder gehört die Verkürzung der Arbeits- und Schulzeiten, damit "die Menschen mehr Zeit haben, ihr eigenes Essen anzubauen, Bäume zu pflanzen und Dinge zu Hause oder in ihrer Umgebung zu reparieren". Weiterhin haben die Kinder einen nationaler Baumpflanztag vorgeschlagen sowie angeregt, Landbesitzer zu ermutigen, ihr Land zum Schutz der Umwelt zu nutzen. Dazu gehört auch der Schutz von Torfgebieten.

100 Kinder befassen sich mit Klimawandel

Die gut 100 Kinder aus ganz Schottland nahmen an den Recherchen des Kinderparlaments für den Klima-Bürgerrat teil und verbrachten fünf Monate damit, sich mit den Fakten zum Klimawandel vertraut zu machen. Sie haben Meinungen und Ideen darüber ausgetauscht, was Schottland tun sollte, um den 2019 von der Regierung ausgerufenen Klimanotstand bekämpfen.

12 Kinder - "die Ermittler" - im Alter von 9 - 12 Jahren leiteten die "Untersuchung", betrachteten die Fakten mit der Unterstützung von Klimaexperten und vertraten in einer Reihe von Kurzfilmen die Meinungen und Ideen des gesamten Kinderparlaments gegenüber den erwachsenen Mitgliedern des Bürgerrates. Die erwachsenen Bürgerrat-Mitglieder lobten die durch die Kinder geleisteten Beiträge, die in die Handlungsempfehlungen der Citizens' Assembly aufgenommen wurden.

"Empfehlungen durch Kinder beeinflusst"

"Die Kinder, die am Klima-Bürgerrat teilgenommen haben, haben zweifellos die endgültigen Empfehlungen des Bürgergutachtens zum Besseren hin beeinflusst, was zeigt, welchen Unterschied Kinder in unserer Gesellschaft jeden Tag machen können und machen“, erklärte Cathy McCulloch, Co-Direktorin des Kinderparlaments, dazu. „Wir hoffen, dass ihre Rufe zum Handeln gehört werden, während sie sich weiterhin für eine bessere Zukunft für sich selbst, ihre Freunde und ihre Familie einsetzen.“

"Meine Botschaft an die Parteivorsitzenden ist, dass sie unsere Forderungen aufgreifen. Es ist auch unser Land, und wir haben das Recht, gehört und angehört zu werden“, sagte die zwölfjährige Margaret, eine der "Ermittlerinnen" des Kinderparlaments. „Wenn unsere Ideen umgesetzt werden, möchten wir sagen können: Das war unser Aufruf zum Handeln und wir können stolz auf unser Land sein, weil wir wissen, dass wir etwas dagegen tun."

Großartige Erfahrung

Ellie, Mitglied des Klima-Bürgerrates, nannte es „großartig, den Klima-Bürgerrat der Kinder anzuhören. Die Klarheit ihrer Vorschläge habe die Art und Weise beeinflusst, wie einige der in das Bürgergutachten aufgenommenen Empfehlungen formuliert worden seien. „Es war manchmal auch herzzerreißend, ihre Sorgen über die aktuelle Situation und die Dringlichkeit der globalen Situation zu hören“, so Ellie weiter.

"Jedes Kind hat das Recht, in einer gesunden und nachhaltigen Umwelt zu leben, wozu auch ein sicheres Klima gehört. Die Ideen der Kinder zur Bewältigung des Klimanotstands sind klar, mutig und aufregend, und wir haben als Erwachsene die Pflicht, zuzuhören und zu handeln“, kommentierte Professor David Boyd, UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte und Umwelt, die Arbeit des Kinderparlaments.

81 Bürgerrat-Empfehlungen

Der schottische Klima-Bürgerrat hatte seine Empfehlungen am 24. Juni 2021 an das Parlament des Landes übergeben. Das Bürgergutachten der gut 100 Bürgerrat-Teilnehmenden umfasst 81 in großem Konsens beschlossene Empfehlungen zum Erreichen von 16 Schlüsselzielen. In den Empfehlungen geht es um Themenbereiche wie Gebäude und Wärme, Umweltauswirkungen im öffentlichen Beschaffungswesen, Landnutzung und Landwirtschaft, Steuern, Verkehr und Wirtschaft.

Die Ausgelosten waren in Bezug auf Alter, Geschlecht, Haushaltseinkommen, Ethnie, Wohnort, ländliche Gebiete, Behinderungen und Einstellungen zum Klimawandel ein Abbild der Bevölkerung. Der Bürgerrat hat unabhängig von der Regierung gearbeitet und in sieben Online-Sitzungen mehr als 100 Expertinnen und Experten angehört.

Arbeitsplätze, Verkehr, Wohnen und Aufklärung

Zu den Empfehlungen des Bürgerrates gehört die Schaffung eines Nationalen Naturdienstes, der Arbeitsplätze im Bereich der Wiederbegrünung und des Umweltschutzes schaffen soll, mehr Möglichkeiten und eine bessere Ausbildung für grüne Berufe, ein Programm zur öffentlichen Aufklärung über Klimafragen und eine einheitliche "Auster-Karte" für Schottland, die helfen soll, das Verkehrssystem des Landes zu vernetzen. Eine weitere Empfehlung ist die Wärmesanierung aller bestehenden Häuser bis 2030, wobei alle neuen Gebäude den hoch energieeffizienten Passivhaus-Standard erfüllen müssen.

"Als Nation haben wir die Möglichkeit, Pioniere zu sein, indem wir sofort Maßnahmen ergreifen, um unsere nächsten Generationen zu befähigen, ein nachhaltiges Leben zu führen, indem wir jetzt den Rahmen schaffen", schreiben die Mitglieder des Bürgerrates in ihrem Bürgergutachten. "Als Gesellschaft werden wir uns verändern und anpassen müssen, um die Herausforderungen zu meistern, und wir erkennen an, dass dies mit Kosten verbunden sein wird. Aber wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir in der Zukunft höhere Kosten und mehr Schwierigkeiten haben, katastrophale Kosten für den Planeten zu vermeiden."

Empfehlungen mit Gewicht

Die Bürgerrat-Empfehlungen haben Gewicht - die Regierung muss innerhalb von sechs Monaten erklären, wie sie auf die Vorschläge reagieren will. Die Bürgerrat-Mitglieder werden dann ein letztes Mal zusammenkommen, um über die Antwort der Regierung auf ihre Empfehlungen zu diskutieren.

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