Hoch hinaus per Bürgergutachten?

01. Oktober 2021 Uhr
A. Hert / CC BY-SA 3.0

Will München mit zwei Hochhäusern auf dem Paketpost-Areal hoch hinaus? Darüber und über andere Themen diskutieren zufällig geloste Einwohner der Stadt seit dem 5. Oktober 2021 in so genannten „Planungszellen“. 126 Münchnerinnen und Münchner sind der Aufforderung gefolgt, sich vier Tage lang intensiv mit der Zukunft des Gebiets rund um die Paketposthalle auseinanderzusetzen.

Die 14 bis 80 Jahre alten Teilnehmer durchlaufen in vier Gruppen ein Programm, das unter anderem eine Ortsbesichtigung sowie Vorträge von Fachleuten und Interessengruppen vorsieht. Bei der anschließenden Arbeit in Kleingruppen entwickeln sie daraus Ideen und konkrete Vorschläge für die weitere Entwicklung des Areals, die präsentiert, diskutiert und bewertet werden.

Diskussion über Hochhäuser

Mit einer derzeit vorgesehenen Höhe von ca. 155 Metern wären die auf dem Areal geplanten Hochhäuser die höchsten Gebäude Münchens. Da unklar ist, wie die Türme die Sichtbeziehungen vor Ort und das Stadtbild Münchens im Allgemeinen verändern, gibt es viele Diskussionen sowohl in der Bevölkerung als auch unter Experten über den Bau der Türme. Neben der Höhe ist auch die nachhaltige Gestaltung der Hochhäuser ein wichtiges Thema. Dazu gehören zum Beispiel der klimaschonende Bau und Betrieb sowie die Nutzung der Türme.

In den Planungszellen wird eine eingehende Auseinandersetzung mit den Hochhäusern erfolgen. Dabei werden die Bürgergutachter auch die Möglichkeit erhalten, Empfehlungen für die Höhe der Gebäude zu formulieren.

Vorherige Themensammlung

Die Themen, mit denen sich die Planungszellen beschäftigen, waren im Juli bei einem Auftakt- und Informationsabend und einem Runden Tisch gesammelt worden. Sie reichen von Bebauungsdichte, Denkmalschutz und Nachhaltigkeit des Areals und der Hochhäuser bis hin zu Nutzung der Paketposthalle und der Freiflächen. Damit diese Themen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden, sind unter anderem Vorträge der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, des Münchner Forums, der TU München sowie von städtischen Referaten und namhaften Architektur-, Landschaftsarchitektur- und Ingenieurbüros geplant.

Der gesamte Prozess sowie die erarbeiteten Resultate werden nach Abschluss der Arbeitsphase dokumentiert und veröffentlicht. Die Ergebnisse des Bürgergutachtens sind ein wesentlicher Baustein für den weiteren Planungsprozess und fließen in die Weiterentwicklung der städtischen Planungen ein.

Teilnehmende ein Abbild der Bevölkerung

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Planungszellen wurden repräsentativ aus dem Melderegister ausgewählt. Sie müssen mindestens 14 Jahre alt sein. In Arbeitsgruppen diskutieren sie mehrere Tage lang verschiedene Themen. Das Zufallsverfahren gewährleistet, dass alle Einwohner die gleichen Beteiligungschancen haben und ein breites Spektrum unterschiedlicher Menschen mitredet.

Das Beteiligungsverfahren Bürgergutachten durch Planungszellen wurde in den 1970er Jahren vom Wuppertaler Soziologieprofessor Peter C. Dienel entwickelt und wurde seitdem rund 80-mal in Deutschland zu verschiedenen Themen eingesetzt. Das Verfahren zeichnet sich aus durch die Zufallsauswahl der Teilnehmenden, die Aufteilung des Themas in Arbeitseinheiten, die Vermittlung wichtiger Informationen, die Diskussion in unmoderierten Kleingruppen und die Zusammenfassung der Empfehlungen in einem Bürgergutachten.

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