Düsseldorfer Bürgerrat will offene Oper für alle

26. August 2021 Uhr
Landeshauptstadt Düsseldorf / Ingo Lammert

In der Diskussion um die Zukunft der Düsseldorfer Oper haben am 25. August 2021 zufällig geloste Bürgerinnen und Bürger ihre Vorstellungen präsentiert. Zentrale Lage, gut erreichbar und raus aus ihrem Nischendasein. Das sind die zentralen Wünsche der Bürgerrat-Mitglieder für die künftige Oper. Das baufällige Opernhaus soll entweder saniert oder neu gebaut werden.

Die Leitlinien des Bürgerrates, die Ergebnisse der begleitenden anderen Beteiligungsformate sowie die Prüfungen und Untersuchungen der Verwaltung fließen gebündelt in den Entscheidungsprozess ein: So sollen alle Aspekte anschaulich in einer Beschlussvorlage zur Grundsatzentscheidung "Opernhaus der Zukunft" zusammengeführt Ende 2021 in die politischen Gremien eingebracht werden.

Internetseite zur Bürgerbeteiligung

Seit dem 18. Mai 2021 ist die Internetseite zur Öffentlichkeitsbeteiligung, www.dialog-opernhaus-duesseldorf.de online. Sie hatte bis zum 25. August 2021 rund 8.300 Besuche zu verzeichnen. 191 Personen hatten sich auf der Website registriert und hinterließen 181 Ideen und 116 Kommentare.

Die Bürgerinnen und Bürger wurden durch eine Social-Media-Kampagne der Düsseldorf Marketing GmbH über Facebook und Instagram über die Möglichkeit der Beteiligung informiert. Anders als bei den übrigen Beteiligungsformaten gingen über diese Kanäle auch Kommentare ein, die eine kritische Haltung gegenüber dem Projekt widerspiegelten. Diese beziehen sich hauptsächlich auf die Kostenhöhe für einen Opernneubau. Auch wurde die Rechtfertigung einer Finanzierung durch die öffentliche Hand hinterfragt.

Drei Dialogforen

Seit Mai 2021 fanden drei Dialogforen statt. Hier konnten sich interessierte Bürgerinnen und Bürger nicht nur über verschiedene Aspekte zur Oper informieren, sondern auch ihre Meinungen und Anregungen mitteilen und mitdiskutieren. Ergänzt wurden das Format durch verschiedene Expertenvorträge, wie durch den Beitrag von David Staples, einem renommierten Berater in der Opern- und Theaterszene, oder von Marc Grandmontagne, dem Geschäftsführenden Direktor des Deutschen Bühnenvereins.

Zudem wurden 15 Schlüsselgespräche mit Akteurinnen und Akteuren aus der Stadtgesellschaft geführt. Die Ergebnisse der individuell geführten Interviews sind auf der Website als ca. 5-minütige Videos abrufbar. Alle Akteure legen hier ihre Anregungen zum Opernhaus der Zukunft als Antwort von drei Fragen dar. Was macht das Opernhaus der Zukunft aus? Welche Kriterien sind für den Standort wichtig? Wie kann es zu einem Treffpunkt für alle Düsseldorferinnen und Düsseldorfer werden?

30 ausgeloste Bürgerrat-Teilnehmende

Für den Bürgerrat waren rund 1.000 zufällig aus dem Melderegister ausgewählte Personen von der Stadt angeschrieben worden. Aus den positiven Rückmeldungen setzte das Amt für Statistik und Wahlen in mehreren Schritten drei in Bezug auf Geschlecht, Alter und Bezirk repräsentative Personengruppen zusammen. Aus dem Jugendrat, dem Abonnentenkreis der Oper, der Belegschaft und dem Ensemble wurden jeweils drei Mitglieder zugelost.

Am 12., 26. Juni und am 21. August 2021 hatten die drei 10er-Gruppen in jeweils vierstündigen Sitzungen intensiv die drei obengenannten Fragestellungen zum Opernhaus der Zukunft diskutiert. Zwei professionelle Moderatorinnen je Gruppe dokumentierten den Verlauf des Meinungsaustauschs.

Stadt will Anregungen aufnehmen

"Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich viele der Bürgerwünsche auch in unseren Plänen wiederfinden werden", begrüßte Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) viele Vorschläge. Die Düsseldorfer Stadtspitze favorisiert einen Neubau, ebenso wie ein Großteil der Politik. Die Kosten dafür werden auf mindestens 636 Millionen Euro geschätzt.

"Wir wollen, dass die künftige Oper auch deutlich mehr zu bieten hat als nur Opernvorstellungen, damit sich viele Menschen angesprochen fühlen", meinte Katharina Ringwelski, eine der Sprecherinnen des Bürgerrats. Denkbar seien etwa Cafés, Restaurants oder auch weitere Räume für externe Künstler, sowie Angebote für Schulen und die Jugend allgemein.

Bürger wollen zentrale Innenstadt-Lage

Verschiedene Standorte sind für die künftige Oper in der engeren Auswahl. Neben dem aktuellen Standort am Hofgarten gibt es auch schon Entwürfe von Architekturbüros für das Kaufhof-Gelände am Wehrhahn, am Südende der Königsallee, im Rheinpark oder im Medienhafen.

Nach Meinung der Bürger sind die Standorte Hafen und Rheinpark wegen ihrer schlechten Anbindung eher ungeeignet. Für die Option Wehrhahn sehen die Bürger deutlich mehr Potenzial. Teile des Hofgartens zu nutzen für einen Neubau am aktuellen Standort ist dagegen für viele tabu.

Oper als Leuchtturmprojekt?

Uneins sind sich die Bürgerinnen und Bürger darüber, welche Dimension die künftige Oper haben sollte. Während sich die einen für eine sichtbare architektonische Landmarke aussprechen, sind andere für eine eher kleinere Oper, die sich besser ins Stadtbild einfügt.

Das denkmalgeschützte Opernhaus aus der Nachkriegszeit ist seit Jahren ein Sanierungsfall. Der Brandschutz und die Bühnentechnik sind marode, es fehlt an Platz. Die Stadt musste bereits einen zweistelligen Millionenbetrag investieren, damit der Betrieb überhaupt weiterlaufen kann. Der Stadtrat soll Ende 2021 eine Grundsatzentscheidung über Neubau oder Sanierung fällen.

Mehr Informationen: Dialog Opernhaus Düsseldorf