Wer haftet eigentlich für Pflegeroboter?

16. Mai 2024
Ruben Andreas Sakowsky

In Potsdam befasst sich eine zufällig geloste Bürgerkonferenz mit dem Einsatz von Robotern in der Altenpflege. Auf der Internetseite der Losversammlung sind einige interessante Fragen aufgelistet. Darunter auch: Wer haftet eigentlich für einen Pflegeroboter?

„Eine bedarfsgerechte Versorgung älterer Menschen zukünftig sicherzustellen, gehört zu den grundlegenden gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen unserer Zeit. Angesichts des Fachkräftemangels und einer alternden Gesellschaft wird hierzu der verstärkte Einsatz von Technologien wie Robotern diskutiert“, heißt es auf der Internetseite des Projekts der „Bürger:innenkonferenz Potsdam: Robotik in der Altenpflege?“.

Vieles sei technisch denkbar. Aber gefragt werden müsse auch, wie eine gute Pflege zukünftig aussehen soll, unter welchen Bedingungen Roboter in der Altenpflege eingesetzt werden und wann man davon absehen sollte.

Bürgerkonferenz im Rahmen des Projekts E-cARE

Die Bürgerkonferenz findet im Rahmen des Projekts E-cARE statt. Das Projekt erforscht den verantwortlichen Einsatz von Robotik in der Altenpflege. Ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Juniorprofessur für Medizinische Ethik entwickelt hierzu für das Bundesministerium für Gesundheit eine Ethikleitlinie zur angemessenen Nutzung von technischen Assistenzsystemen.

Das Projekt E-cARE möchte die Bedingungen einer verantwortlichen Nutzung von (sozialer) Robotik in der Pflege älterer Personen untersuchen.

Fragestellungen

Dabei geht es insbesondere um folgende Fragestellungen:

  • Welche ethischen Chancen und Risiken zeigen sich beim Einsatz von sozialer Robotik in der Altenpflege?
  • Welche Veränderungen in Bezug auf Pflegeinteraktion und -beziehung werden durch den Einsatz sozialer Robotik wahrgenommen?
  • Wie ist eine ethisch angemessene Integration von (sozialer) Robotik aus Perspektive der (potenziell zukünftig) Betroffenen realisierbar?
  • Welche ethischen Prinzipien sollen den Einsatz von robotischen Assistenzsystemen (zukünftig) anleiten?

Ziel des Projekts ist eine Orientierung dazu, in welchen Bereichen und auf welche Weise eine Ergänzung oder ein Ersatz der Pflegearbeit durch (soziale) Robotik verantwortbar oder sogar geboten sein kann.

​“Über die Zukunft der Pflege dürfen nicht nur Experten entscheiden. Die Meinung von Bürgern muss in der öffentlichen und politischen Debatte ebenfalls Gehör finden“, heißt es zur Begründung der Bürgerkonferenz.

25 Teilnehmer

Für die Losversammlung wurden in Kooperation mit der Stadt Potsdam 3.500 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger zur Konferenz eingeladen. Aus dem Pool der Teilnahmewilligen wurde nach verschiedenen Merkmalen eine Gruppe von 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschiedlichen Alters, beruflicher Prägung und unterschiedlichen Erfahrungswerten zum Thema ausgewählt.

Die Teilnehmer kommen an drei Wochenenden zusammen, um ein Regelwerk für den verantwortlichen Einsatz von Robotik zu entwickeln. Termine sind der 27./28. April, der 25./26 Mai und der 15./16. Juni 2024. Im Rahmen der Bürgerkonferenz werden Sachverständige von den Teilnehmern angehört und befragt. Auch können die Teilnehmer die Roboter kennenlernen, die in der Altenpflege in Zukunft zum Einsatz kommen könnten.

Organisation und Moderation

Die Organisation der Bürgerkonferenz liegt bei der Juniorprofessur für Medizinische Ethik mit Schwerpunkt auf Digitalisierung an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg. Unterstützt wird die Bürgerkonferenz durch ein Moderationsteam des Think and Do Tanks neuland21. Neuland21 beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der Digitalisierung, um die Lebensqualität insbesondere auch im ländlichen Raum zu erhöhen.

Mehr Informationen: Bürger:innenkonferenz: Robotik in der Altenpflege?