Polnischer Bürgerrat berät über Energiearmut

04. Oktober 2022
Narada Obywatelska o Kosztach Energii

Im Oktober und November 2022 tagt der erste nationale Bürgerrat Polens. Er besteht aus 100 Einwohnerinnen und Einwohnern des Landes, die fünf Tage lang gemeinsam über die hohen Energiekosten und Wege zur Beseitigung der Energiearmut diskutieren.

Energiearmut bedeutet, dass Menschen nicht in der Lage sind, ihre Wohnung zu heizen und elektrische Geräte ausreichend zu nutzen. Davon sind bis zu zehn Prozent der polnischen Bevölkerung direkt betroffen, während die indirekten Folgen - schlechte Luftqualität durch hohen Verbrauch von Kohle, Öl und Gas oder die Belastung des Gesundheitssystems - eine viel größere Gruppe von Menschen in Polen betreffen.

Information durch Fachleute

Während der Losversammlung werden die Teilnehmer von Experten aus den Bereichen Sozialpolitik, Energie und Klima mit dem Thema vertraut gemacht, um dann mögliche Lösungen für das Problem der hohen Energiekosten und der Energiearmut zu diskutieren. Am Ende steht eine gemeinsame Entscheidung über Handlungsempfehlungen an die Politik.

Dem Bürgerrat gehören Menschen unterschiedlichen Geschlechts und Bildungshintergrunds, unterschiedlichen Alters sowie aus größeren Städten und kleinen ländlichen Gemeinden Polens an. Für ihre Teilnahme erhalten die Bürgerrat-Mitglieder eine Aufwandsentschädigung von von 720 Złoty (151 Euro).

Breite Diskussion von März bis Juni

Vor dem Bürgerrat hatten die Stiftung „Fundacji Stocznia“ und das Centrum Nauki Kopernik als Organisatoren der Losversammlung bereits von März bis Juni 2022 Bürgerinnen und Bürger aus verschiedenen Regionen Polens, Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen und Institutionen sowie lokale und staatliche Behörden in eine gemeinsame Diskussion einbezogen, um gesellschaftlich abgestimmte und akzeptable Handlungsempfehlungen zur Bekämpfung der Energiearmut in Polen zu entwickeln.

Ziel war es, die Diskussion in die Haushalte und in Städte und Gemeinden zu tragen. Dabei gab es verschiedene Möglichkeiten, sich an der Debatte zu beteiligen. Bei lokalen Versammlungen konnten die Teilnehmer über ihre Situation sprechen und gemeinsam nach Maßnahmen gegen die hohen Energiekosten suchen.

Versammlungen und Einzelgespräche

Die Versammlungen konnten von jedem Interessierten organisiert werden. Dazu wurden insbesondere Führungskräfte aus sozialen Organisationen, Kirchengemeinden, Hausfrauenverbänden, Wohngemeinschaften, Siedlungsräten und Vertreter der Gemeinden ermutigt. Mehr als 700 Menschen waren bei einer der Veranstaltungen. Für diejenigen, die nicht an diesen Versammlungen teilnehmen wollten oder konnten, gab es die Möglichkeit, ihre Meinung in einer Umfrage zum Problem der hohen Energiekosten zu äußern.

Unabhängig davon gab es auch Einzelgespräche mit Menschen, die von Energiearmut betroffen sein könnten. Diese konnten von deren Verwandten, Nachbarn und von Menschen durchgeführt werden, die z. B. im Sozialwesen arbeiten.

Ziel: Beseitigung der Energiearmut

Die Ergebnisse aus allen Beratungen wurden in einem gemeinsamen Dokument zusammengefasst, das zur Vorbereitung des landesweiten Bürgerrates diente.

Ziel des Bürgerrat-Projekts ist die Beseitigung bestehender Hindernisse und die Schaffung von Instrumenten zur Umsetzung einer kurz- und langfristigen Strategie zur Verringerung und schließlich Beseitigung der Energiearmut. Über seine Empfehlungen zur Bekämpfung der Energiearmut entscheidet die Losversammlung am 16. November 2022.

Veröffentlichung der Empfehlungen am 6. Dezember

Am 6. Dezember 2022 werden die Bürgerrat-Empfehlungen der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Vorschläge werden danach an Vertreter der Parlamente, nationaler Behörden, lokaler Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, Think-Tanks und weitere Gruppen übergeben, für die das Thema Energiekosten und wachsende Energiearmut ein wichtiges Thema ist oder sein sollte.

Mehr Informationen: Narada Obywatelska o Kosztach Energii