Hitzeschutz für Marzahn-Nord

07. November 2025
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Am 22. November 2025 war der Bürgerrat "Hitzeschutz" im Berliner Stadtteil Marzahn-Nord zu seiner letzten Sitzung zusammengekommen. Seine Empfehlungen liegen nun dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf vor. 

28 Maßnahmen wurden vom Bürgerrat empfohlen und bewertet. Die größte Zustimmung gab es dabei in folgenden Punkten, die dem Bezirk mittel- und langfristig als Leitlinien dienen sollen:

  • Zusammenarbeit mit Wohnungsbaugesellschaften zur Verbesserung des Hitzeschutzes
  • Erhalt von Bäumen und Grünflächen
  • Neue Wasserspender an öffentlichen Gebäuden in Kooperation mit dem Einzelhandel errichten

Budget von 100.000 Euro

2026 stehen für den Hitzeschutz 100.000 Euro zur Verfügung. Damit möchte der Bürgerrat vor allem neue Sitzbänke (vor allem im Wuhlepark) aufstellen, den Erhalt von Bäumen und Grünflächen finanzieren und den Barnimplatz umgestalten.

Der Bürgerrat hatte sich vom 7. bis 22. November 2025 zu drei Sitzungen getroffen. 30 per Losverfahren ausgewählte Bürgerinnen und Bürger haben darüber beraten, wie klimaangepasste Maßnahmen zum Schutz vor Hitze im Ortsteil Marzahn-Nord gestaltet werden. Ziel war es, Empfehlungen zu erarbeiten, wie Mittel des Stadtbezirks für Hitzeschutz effektiv und bedarfsgerecht im Quartier eingesetzt werden.

Bürgercafé und Einwohnerbefragung

Am 21. Februar 2026 findet ein Bürgercafé zu den vom Bürgerrat empfohlenen Maßnahmen statt. Im Frühjahr 2026 werden die Ergebnisse des Bürgerrates dann der Bezirksverordnetenversammlung vorgestellt. Nach einer fachlichen und juristischen Prüfung durch die Verwaltung wird das Bezirksamt dann eine Einwohnerbefragung zu den Empfehlungen des Bürgerrats durchführen.

In der Einwohnerbefragung sind alle Einwohnerinnen und Einwohner von Marzahn-Nord aufgerufen, darüber abzustimmen, ob die Vorschläge des Bürgerrates umgesetzt werden sollen. Diese Abstimmung findet voraussichtlich im April 2026 statt. Das Bezirksamt hat sich verpflichtet, die Ergebnisse als Grundlage für seine Entscheidungen zum Hitzeschutz zu nutzen. Bereits im Jahr 2026 ist die Umsetzung der ersten Maßnahmen geplant.

Mini-Marzahn-Nord

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden so ausgewählt, dass sie nach Alter, Geschlecht, Bildung und Wohnort die Vielfalt der Bevölkerung abgebildet haben. Dazu wurden im September 2025 Teilnahme-Einladungen an 2.000 zufällig geloste Einwohnerinnen und Einwohner des Bezirks ab 16 Jahren verschickt. 374 Eingeladene (18,7 Prozent) meldeten sich zurück. Viele mussten aus Krankheits- oder Termingründen absagen. Aus den 123 Zusagen (6,2 Prozent) wurden letztlich 33 Personen ausgelost, um eine Art „Mini-Marzahn-Nord“ zu bilden.

Bei den Sitzungen des Bürgerrates sorgte eine professionelle Moderation dafür, dass die Diskussionen konstruktiv und fair verliefen und alle zu Wort kamen. Je nach Thema gab es Impulsvorträge durch Fachleute oder Betroffene. Nach den Diskussionen und einer Abwägung aller Argumente hatte der Bürgerrat in seiner Abschlusssitzung am 22. November 2025 seine Empfehlungen formuliert.

Themensuche

In der Vorbereitung des Bürgerrats wurden gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft Themen gesammelt („Agenda Setting“). Dabei wurde herausgearbeitet, welche Fragestellungen der Bürgerrat beantworten soll und welche Aspekte und Details der Bürgerrat kennen muss, um fundiert zum Thema Hitzeschutz in Marzahn-Nord diskutieren zu können. Auf dieser Basis wurden dann Fachleute oder andere Impulsgeberinnen und -geber eingeladen, um dem Bürgerrat ihre Perspektive vorzustellen.

Der Bürgerrat zum Thema Hitzeschutz ist die erste Losversammlung in Marzahn-Hellersdorf. Erstmals eingebracht wurde die Idee durch die Bürgerinitiative „Demokratie. Gerechtigkeit. Bürgerräte Marzahn-Hellersdorf“, die sich seit vielen Jahren für eine Verankerung von Bürgerräten im Bezirk einsetzt.

Zuvor hatten sich bereits in Bayreuth und Edermünde kommunale Bürgerräte mit den Themen Klimaanpassung und Hitzeschutz befasst.

Warum Hitzeschutz?

Der weltweite Klimawandel lässt auch in Deutschland die Temperaturen steigen. Die höheren Temperaturen führen häufiger zu Hitzewellen, die außerdem noch länger dauern und immer intensiver werden.

Stadtbewohnerinnen und -bewohner sind stärker durch Hitze belastet als Menschen in ländlichen Regionen. Das liegt vor allem daran, dass es in der Stadt mehr versiegelte Flächen und weniger bepflanzte Bereiche gibt, so dass mehr Wärme gespeichert wird. Heiße Tage und tropische Nächte sind in Städten deshalb viel häufiger zu beobachten.

Langzeit-Vorhersagen für das Klima in Mitteleuropa zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Hitzeperioden bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um mehr als das Doppelte steigen könnte. Zudem könnte die Dauer dieser besonderen Wetterlagen um 30 Prozent zunehmen.

Mehr hitzeanfällige Menschen

Mit dem Altern der Gesellschaft wächst die Anzahl der Menschen, die schwere, durch Hitze hervorgerufene Krankheitssymptome entwickeln könnten, da ältere Personen besonders verletzlich sind. Hitzebelastung kann bei besonders gefährdeten Menschen sogar zum Tod führen, vor allem, wenn sie länger als drei Tage andauert.

Aber auch andere Gruppen wie Menschen mit chronischen Erkrankungen, Säuglinge und Kleinkinder werden durch Hitze besonders gesundheitlich belastet. Im Grunde sind alle Menschen bei hohen Temperaturen weniger leistungsfähig und geschwächt, weil der Körper ständig damit beschäftigt ist, auf eine Kerntemperatur von etwa 37 Grad herunterzukühlen.

Klima trifft Kommune

Der Bürgerrat in Marzahn-Nord ist Teil des von Mehr Demokratie und der Gesellschaft für Klima und Demokratie getragenen Projekts „Klima trifft Kommune“. In dem Projekt geht es um die Verbindung von formal unverbindlichen Klima-Bürgerräten mit verbindlichen Bürgerentscheiden. Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf beteiligt sich als Modellkommune an diesem Projekt. Mit dabei sind außerdem die Kommunen Flensburg, Osterburg und Pinneberg. 

Die Robert Bosch Stiftung und die Deutsche Postcode Lotterie finanzieren das Projekt. Gemeinsames Ziel ist es, die Bevölkerung an konkreten politischen Entscheidungen stärker zu beteiligen und Demokratie erlebbar zu machen.

Das Verfahren des Bürgerrates wird vom Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung der Bergischen Universität Wuppertal bezüglich der Einhaltung der Qualitätsstandards für geloste Bürgerbeteiligung überprüft und bewertet.

Projekt ausgezeichnet

Am 4. Juni 2025 wurde das Projekt "Klima trifft Kommune" vom Deutschen Städte- und Gemeindebund und der Initiative "Re:Form" mit dem "Bewährt vor Ort"-Siegel ausgezeichnet. Das Projekt mache Kommunen resilienter für den Klimaschutz, indem Bürgerinnen und Bürger früh in Entscheidungsprozesse eingebunden würden, Lösungen für Klimaziele entwickelten und gleichzeitig das Vertrauen in die Demokratie stärkten.

Mit dem Siegel „Bewährt vor Ort“ werden erfolgreich erprobte Veränderungen der Verwaltungspraxis, ihrer Regeln ebenso wie Projekte ausgezeichnet, die gemeinsam von einer Verwaltungseinheit und einer gemeinnützigen Organisation umgesetzt wurden. Eine überparteiliche Jury aus Verwaltungspraktikerinnen und -praktikern hat 2025 zum zweiten Mal wegweisende kommunale Innovationen gewürdigt. Insgesamt wurden 29 Projekte in vier Themenbereichen ausgezeichnet.

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