Globaler Klima-Bürgerrat geplant

10. Dezember 2020 Uhr

Ein Fabrikarbeiter aus Indien könnte Schulter an Schulter mit einem Busfahrer aus Frankreich an Ideen zur Bewältigung der Klimakrise arbeiten, kündigen die Initiator:innen eines globalen Klima-Bürgerrates (Global Assembly) an.

2021 werden Bürger:innen aus aller Welt nach dem Zufallsprinzip ausgelost, um einen globalen Klima-Bürgerrat zu bilden, der den Staats- und Regierungschef:innen der Welt einen Plan zur Bekämpfung des Klimawandels vorlegen soll. Das könnte dazu führen, dass eine Busfahrerin aus Großbritannien, ein Schafzüchter aus Neuseeland und ein Fabrikarbeiter aus Indien zusammenarbeiten, um den besten Weg zur Reduzierung der globalen Emissionen zu finden.

Tausend Teilnehmende

Tausend Menschen werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, um die Zusammensetzung der Weltbevölkerung nach Alter, Geschlecht, Ethnie und ökonomischem Status abzubilden, so die Organisator:innen. Sie werden sich online treffen, um von internationalen Expert:innen über das Thema Klimawandel informiert zu werden, bevor sie im Vorfeld des UN-Klimagipfels COP26 in Glasgow im November 2021 Empfehlungen für die Staats- und Regierungschefs der Welt erarbeiten.

Auf lokaler und nationaler Ebene werden im Vorfeld des COP26-Gipfels ebenfalls kleinere Bürgerräte einberufen, wobei das Ziel der Organisator:innen ist, Millionen von Menschen an dem Prozess zu beteiligen.

Neue Möglichkeiten

"Wir werden viele neue, wahrscheinlich bisher ungehörte Stimmen in die Weltkonferenz bringen", sagt Claire Mellier, Teil des Organisationsteams. "Nicht alle von ihnen werden sich über die Situation, in der wir uns befinden, einig sein, oder darüber, was wir als nächstes tun sollten. Wir werden jedoch ein aufmerksames Zuhören zwischen den Menschen unterstützen, so dass echter Respekt und Verständnis entstehen. Und wenn dies geschieht, wissen wir, dass neue Möglichkeiten enstehen, die das, was wir gemeinsam tun können, verändern."

Bürgerräte entwickeln sich zu einer beliebten Methode, um die öffentliche Meinung zu heiklen Themen wie Abtreibungsrecht und Wahlrechtsreform zu ermitteln. Aber gerade beim Thema Klimawandel sind viele der Meinung, dass sie am nützlichsten sein können, da sie den Politiker:innen einen Eindruck davon vermitteln, wie groß der Appetit der Menschen auf Klimaschutzmaßnahmen wirklich ist.

Vorgänger in Frankreich und Großbritannien

Großbritannien und Frankreich haben bereits nationale Klima-Bürgerräte durchgeführt, die sich mit genau diesem Thema befasst haben. Die Mitglieder des britischen Bürgerrates forderten so etwa eine Steuer für Vielflieger, ein Verbot von neuen Gaskesseln und eine CO2-Kennzeichnung von Lebensmitteln und Getränken, um die CO2-Reduzierung zu beschleunigen. In Frankreich empfahlen die 150 für den dortigen Klima-Bürgerrat ausgelosten Menschen u.a. ein Verbot des Neu- und Ausbaus von Flughäfen und massive Investitionen in den Ausbau umweltschonender Verkehrsmittel sowie in die energetische Sanierung von Wohnhäusern.

Die Global Citizens' Assembly, die von der UNO unterstützt wird, ist der erste internationale Bürgerrat. Die Organisator:innen hoffen, dass dessen Ergebnisse einen Durchbruch in den internationalen Klimaverhandlungen bewirken könnten, die seit vier Jahren damit beschäftigt sind, die "Regeln" zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens festzulegen.

Größtes Experiment in globaler Demokratie

"Zu lange wurde die internationale Klimadebatte von mächtigen Minderheiten dominiert", sagt Rich Wilson, Gründer der Bürgerbeteiligungs-Initiative Involve. "Das muss ein Ende haben. Die Global Citizens' Assembly ist das größte Experiment in globaler Demokratie, das je versucht wurde. Ein ehrgeiziges Unterfangen, das der Krise entspricht, mit der wir konfrontiert sind."