Bürgerrat zu Freiheitsdenkmal in Leipzig

Charlotte Noblet (CC BY-NC-SA 2.0)

Wie und wo lässt sich die friedliche Revolution in der DDR 1989 mit einem Denkmal darstellen? Darüber soll ab Januar 2022 in Leipzig ein zufällig geloster Bürgerrat beraten. Auftraggeberin des Verfahrens ist die „Stiftung Friedliche Revolution“, die sich bereits seit Jahren für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal einsetzt.

2014 war ein erster Anlauf für ein an die Wende erinnerndes Denkmal gescheitert. Nach einem internationalen Kunstwettbewerb hatte ein Wettbewerbsteilnehmer gegen das favorisierte Projekt „Keine Gewalt - Herbstgarten“ auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz erfolgreich vor dem Sächsischen Oberlandesgericht geklagt. Die Stadt hatte ihre Bemühungen daraufhin eingestellt.

Kritik aus der Bevölkerung

Auch aus der Bevölkerung hatte es Kritik am Verfahren, an der Gestaltung und vor allem am Standort gegeben, den einige Leipziger wegen fehlender Bezüge als ungeeignet betrachteten. Andere Kritiker hatten das Denkmal insgesamt in Frage gestellt, da bereits genügend historische Orte existierten. Der Stadtrat hatte die „Stiftung Friedliche Revolution“ im September 2021 beauftragt, ein neues Verfahren anzuschieben.

Im neuen Beteiligungsprozess geht es darum, die Gestaltung des Denkmals sowie dessen Standort zu bestimmen. Der Stadtrat soll über das entstehende Konzept diskutieren und es nach einer Entscheidung an den Bundestag weiterreichen. Nach Beschlüssen und einer Regelung der Finanzierung könnten die konkreten Planungen 2024 starten.

40 Leipziger bilden Bürgerrat

Die „Stiftung Friedliche Revolution“ hat das in der Organisation von Bürgerräten erfahrene Nexus-Institut beauftragt, den Denkmal-Bürgerrat zu organisieren. Die Losversammlung aus 40 Leipzigerinnen und Leipzigern soll einen Standortvorschlag erarbeiten. Das Gremium wird aus Teilnehmern bestehen, die zu gleichen Teilen verschiedene Generationen abbilden: die Über 50-Jährigen („Erlebnisgeneration“), die 35- bis 49-Jährigen („Mit-Erlebnisgeneration) sowie die 16- bis 34-Jährigen (ohne eigenen Bezug zu den historischen Ereignissen). Auch die Stadtteile sollen berücksichtigt werden.

Für den Bürgerrat werden über das Einwohnermelderegister 1.000 Menschen aus den verschiedenen Generationen und Stadtgebieten zufällig ausgelost und eingeladen. Die Eingeladenen können sich für eine Teilnahme bewerben. Das Nexus-Institut rechnet mit einer Rücklaufquote von fünf bis zehn Prozent.

Bürgerrat tagt im Januar

Der Denkmal-Bürgerrat wird am letzten Januar-Wochenende 2022 tagen. Dabei soll es neben einer umfangreichen Diskussion auch ein Stadtrundgang geben, um verschiedene Standorte zu betrachten. Im Februar soll dem Stadtrat ein Bürgergutachten mit einem Standortvorschlag vorgelegt werden.

Parallel dazu erarbeitet ein Expertengremium einen Wettbewerbsvorschlag, bei dem es etwa darum geht, ob der Wettbewerb eher künstlerisch oder architektonisch angelegt wird. Die Experten orientieren sich dabei an den Diskussionen im Bürgerrat und lassen die Debatten in ihren Vorschlag für ein Wettbewerbskonzept einfließen. Dieser soll im April 2022 dem Stadtrat vorgelegt werden.

Beteiligung im Mittelpunkt

Für Stiftungsvorstand Michael Kölsch steht die Beteiligung Mittelpunkt: „Der Prozess der Denkmalsentwicklung wird zum immanenten Bestandteil des Denkmals an sich.“

Leipzig ist mit der Friedlichen Revolution verbunden wie kaum eine andere deutsche Stadt. Den Höhepunkt des Leipziger Herbst 1989 markiert der 9. Oktober, als sich nach den Friedensgebeten in vier Leipziger Kirchen rund 70.000 Menschen trotz drohendem Schießbefehl mit Kerzen versammelten, um für mehr Freiheit in der DDR zu demonstrieren. Mehrere tausend Polizisten und Soldaten standen bereit. Doch die Demonstration verlief friedlich. So wurden die Ereignisse in Leipzig als friedliche Revolution zum markanten Ereignis auf dem Weg zum Mauerfall und zur deutschen Einheit.

Mehr Informationen: Stiftung Friedliche Revolution

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